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Erfahrungsberichte > Erfahrungsbericht Agata

Wo das Wetter fast immer schön ist

Ich liege im Grass. Die Sonne scheint, es ist wirklich warm. Die Sonnenstrahlen streicheln mein Gesicht. Den Wind habe ich im Haar. Ich kann die Grillen (Zikaden) hören. Die Kühe grasen in der Nähe. Die Sonne macht sie faul. Ich bewundere die Wolken am Himmel. Sie haben es heute sehr eilig. Die Blätter rascheln. Es ist wie in einem Märchen. Die Natur ist so nah. Sie dringt in meinen Körper ein. Ich fühle wie die Energie in mir brodelt. Es ist, als ob ich die Berge versetzen könnte. Aber eigentlich bin ich erschöpft. Ich kann jeden Muskel in meinem Körper fühlen. Es ist wirklich toll, den mal zu gebrauchen. Ich habe plötzlich so viele Kräfte, von denen ich keine Ahnung hatte, in mir entdeckt... Unglaublich!
Ich kann das Gelächter hören. Wahrscheinlich werden wir bald essen. Heute Koreanisch. Toll, es schmeckt so unglaublich! Mir gefällt das Mittagessen auf der Landwirtschaft. Alle sitzen im Grass, trinken Kaffe oder Tee und lachen. Die positive Energie schwebt in der Luft... Ich kann schon Kristina mich rufen hören. Das Essen ist tatsächlich da. Verrücktes Mädchen! Ich stehe jetzt auf und ziehe meine Gummistiefel an...

Meine Dürnauer Erlebnisse

Nun ist es beschlossen: Ich fahre nach Deutschland. Dürnau heißt der Ort und ist ein kleines Dorf in der Nähe der Berge. Die Idee gefällt mir gut, obwohl ich mich mit meinen Gedanken noch in Dänemark befinde. Das ganze Jahr habe ich dort verbracht und alle meine neuen Freunde sind dort geblieben... Ich fahre nach Deutschland, hauptsächlich um deutsch zu sprechen. Das brauche ich auch für meine Prüfung im September. Eigentlich ist mir egal, was ich in Deutschland machen werde. Der Plan ist: sich einfach mit allem abzufinden. Die Hauptsache: Reden. Als ich die Seite von Kooperative im Internet gesehen habe, wurde mir klar, dass der Aufenthalt in Dürnau etwas völlig neues für mich sein wird. Weil ich laut der Regel "Gras ist immer woanders grüner" lebe, habe ich mich entschlossen mich einfach dem Abenteuer hinzugeben. Ich fahre nach Dürnau. Es ist schon beschlossen. Jetzt weiß ich schon dass das einer der besten Entschlüsse in meinem Leben war. Das war auch einer der besten Sommer meines Lebens... Ich bin ein Stadtmädchen. In der Stadt aufgewachsen habe ich auch immer in einer Großstadt gewohnt. Ich habe keine Familie auf dem Lande und kleine Dörfer wirkten schon immer irgendwie exotisch auf mich. Der Plan war, die neue Situation am besten zu nutzen und alles Mögliche auszuprobieren. Für mich war alles ziemlich neu. Das bedeutete auch viele spannende Erlebnisse.

Die Arbeit

Dürnau bietet einem Menschen so viel an, dass es wirklich schwer zu beschreiben ist. Jeder findet hier etwas für sich und ich bin sicher, dass jeder auch etwas Neues lernt. Jeder etwas anderes. Zu tun haben wir immer wirklich viel gehabt. Jeden Morgen haben wir gespannt darauf gewartet, was der neue Tag mit sich bringt und was für eine Aufgabe wir bekommen. Und es gibt immer Verschiedenes. Für mich war die Arbeit auf der Landwirtschaft am besten. Deshalb wollte ich auch alles mögliche ausprobieren. Kühe melken und füttern, Schafe pferchen, Wurzeln ausgraben, Johannisbeeren pflücken, den Stall ausmisten und Kompost aufsetzen, an den Hecken und Gartenwegen arbeiten, an den Heuernten teilnehmen und einen Schlepper fahren lernen... Eins der besten Gefühle im Leben ist, wenn man abends so angenehm müde ist und zu sich selbst sagen kann: "Ich habe heute wirklich viel geschafft!". Das habe ich in Dürnau gelernt.

Das Wetter ist in Dürnau fast immer schön. Es gibt aber Tage, wenn es regnet und die Arbeit auf dem Lande nicht möglich ist. Das bedeutet auf keinen Fall, dass man sich langweilt. Wir haben zum Beispiel Ines in der Druckerei geholfen. Dort kann man gleichzeitig beobachten, wie die Bücher eigentlich entstehen und wie genau und aufmerksam man bei der Arbeit sein muss. Eine große Herausforderung für manche.

Ich habe viel Spaß und Freude an der Arbeit gehabt und jedesmal, wenn ich das Wort "Arbeit" schreibe, passt mir etwas nicht. Man sollte es eher eine Beschäftigung nennen. Man verbringt die Zeit aktiv mit den anderen, man lacht zusammen und schwätzt (wie man es so schön auf Schwäbisch nennt) über die wichtigen Sachen im Leben.

Die Menschen

Das Leben in Dürnau beruht auf ständigem Kontakt zu den Menschen. Man lernt viele Leute kennen und verbringt die ganze Zeit miteinander. Man wohnt zusammen, isst zusammen und "spielt" zusammen. Das beste daran ist, dass man viele Nationalitäten kennen lernt. Dazu gehören natürlich auch Sitten und Gebräuche. Ich kann mich gut erinnern an Abende, wo alle gespannt auf das Essen gewartet haben. Nicht jeden Tag hat man Gelegenheit echtes japanisches Sushi zu schmecken!!! Die Regel ist, dass jeder mindestens einmal kochen soll. Das ist ja auch eine Art Abenteuer, besonders wenn man (wie ich) sich nicht so gut in der Küche auskennt und plötzlich für zwanzig Leute kochen muss.

Abends haben wir am Tisch gesessen und uns unterhalten. Über alles was dem Menschen auf dem Herzen liegt. Ich habe viel bei den Gesprächen gelernt... z.B. wie der Alltag in Korea, Japan oder Weißrussland aussieht. Wir haben auch über Bücher, Filme, Musik und unsere Pläne für die Zukunft gesprochen. So haben sich auch viele Freundschaften geknüpft, die noch lange dauern werden.

Die Freizeit

Das Leben besteht doch nicht nur aus Arbeit. In Dürnau haben wir auch viel in der Freizeit unternommen. Wir haben gelernt, wie man Bücher bindet und uns selber kleine Büchlein genäht. (Manche haben dann die Nächte in der Druckerei verbracht, weil es ihnen so gefallen hat!)
In Dürnau kann man nicht nur sich Filme ansehen. Man bekommt auch die Gelegenheit, an der Arbeit an den Filmen teilzunehmen! Jan - der sich mit Filmen beschäftigt - versucht alle dazu zu überreden. Es macht wirklich viel Spaß.

Alles, was ich in Dürnau erlebt habe - das wundervolle Leben auf dem Lande, die Menschen, die ich kennengelernt habe, die langen Gespräche mit ihnen und die wunderschönen Sonnenuntergänge - stecken sehr tief in meinem Gedächtnis und meinem Herzen. Bestimmt komme ich mal wieder nach Dürnau. Das Dörfchen, das schon zu meinem Leben gehört.

 

Agata aus Dänemark nahm an einem Workcamp des Vereins "Fercher von Steinwand" teil

 

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